Möglichkeitsräume zur Integration von Siedlungswasserwirtschaft, Stadt und Freiraumplanung

23. Februar 2016 in Weimar, Gutenbergstraße 29, 99423 Weimar

Workshop von INISnet in Kooperation mit der IBA Thüringen und der Bauhaus-Universität Weimar

  Veranstalter:

Deutsches Institut für Urbanistik im Vernetzungs- und Transfervorhaben (INISnet) in Kooperation mit der IBA Thüringen und der Bauhaus-Universität Weimar

  Veranstaltungsort:

IBA Thüringen
Gutenbergstraße 29
99423 Weimar

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  Weitere Informationen:

Tagesordnung (pdf, 120 kB)
Querschnittsthema „Stadt- und Freiraumplanung“

In einer übergreifenden Perspektive werden von einigen der geförderten Projekte des BMBF-Förderschwerpunktes INIS die Bedeutung und die Folgen des notwendigen Umbaus der Wasserinfrastrukturen für Städte und Regionen der Zukunft aufgegriffen und bearbeitet. Entwickelt und erprobt werden Möglichkeiten einer institutionell und inhaltlich engeren Verzahnung von Siedlungswasserwirtschaft und Stadtentwicklungskonzepten sowie tragfähige Planungsinstrumente, die diese Prozesse unterstützen. Neben Konzepten einer verbesserten Verknüpfung von Infrastrukturen wie etwa Abwasser und Energie stehen Ansätze eines nachhaltigen Umgangs mit Flächen-, Energie- und Wasserressourcen im Rahmen von Stadt- und Freiraumplanung auf der Agenda. INIS stellt in diesem Rahmen die Chancen heraus, die eine zukunftsweisende Integration von Siedlungswasserwirtschaft und Stadtentwicklung und -planung bietet.

Nach zwei INIS internen Workshops, die im April 2014 und März 2015 zum Thema „Stadt- und Freiraumplanung“ stattgefunden haben, wurde die Diskussion nun geöffnet, um ausgewählte Ergebnisse zur Integration von Siedlungswasserwirtschaft und Stadtplanung mit einer interessierten Fachöffentlichkeit zu diskutieren. Gleichzeit sollten die in INIS erfolgten Diskussionen um externe Beiträge erweitert und qualifiziert werden. Moderiert wurde der Workshop von Prof. Dr, Angela Million (Technische Universität Berlin, ROOF WATER-FARM) und Dr. Stephanie Bock (Difu, INISnet).

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Transformationsraum IBA: Möglichkeitsraum zur Erprobung innovativer Ansätze integrierter Infrastrukturentwicklung

In dem einführenden Vortrag stellte Frau Dr. Dohhler-Behazadi (Geschäftsführerin der IBA Thüringen) das Konzept, die Ziele und die Bausteine sowie erste Pilotprojekte der IBA Thüringen vor. Sie erläuterte, dass mit dem Thema STADTLAND die kleinteilige Siedlungsstruktur des Freistaats Thüringen mit den vielfältigen Dörfern und Städten zum Ausgangspunkt der Bausaustellung werde. Bis zum Jahr 2023 sollen in einem „organisierten Ausnahmezustand“ in ausgewählten Projekten Neues gedacht, offenen Fragen beantwortet und Lösungen experimentell umgesetzt werden.

Herr Prof. Dr.-Ing. Londong (Bauhaus-Universität Weimar) konkretisierte diesen Ansatz am Beispiel der Chancen, die diese Bauausstellung für die Weiterentwicklung der Wasserinfrastrukturen in Richtung einer nachhaltigen Industriegesellschaft in städtischen und ländlichen Räumen biete. Anknüpfend an erfolgreiche Wasserprojekte vorangegangener Bauausstellungen verwies er eindringlich am Beispiel der Ausgangssituation in Thüringen auf die Notwendigkeit den „Ausnahmezustand IBA“ aktiv zu nutzen.

Herr Becker (Emschergenossenschaft) stellte nach einer Einführung in die Ziele und Vision der IBA Emscherpark die in diesem Rahmen entwickelten und umgesetzten Projekte zur Leitidee Regenwasser vor. Er stellte heraus, dass die IBA u.a. durch veränderte Kommunikationsstrukturen und eine verbesserte Vernetzung nicht nur viel bewegt habe, sondern durch „einfache und robuste“ Projekte beispielhaft die Umsetzungsmöglichkeiten aufgezeigt werden konnten. An diese Erfahrungen werde in der Region bis heute erfolgreich angeknüpft.

Frau Prof. Dr. Stokman (Universität Stuttgart) knüpfte an die Erfahrungen mit der IBA Emscherpark an und erläuterte das Konzept, die Ziele und das Vorgehen der IBA Hamburg. Sie hob die besondere Herausforderung hervor, das Thema Wasser in diese IBA einzubringen und präsentierte konkrete Umsetzungsprojekte (u.a. Wasseratlas, Deichbau)

Transformationsräume erkennen und nutzen: Ergebnisse aus INIS

Die drei INIS Vorhaben SAMUWA, netWOKRS3 und ROFF-WATER-FARM präsentierten zum Abschluss ihrer Forschungen ausgewählte Ergebnisse zur Identifikation und dem Umgang mit Transformationsräumen. Einen Schwerpunkt bilden dabei die Entwicklung von Ansätzen zur Verknüpfung von Infrastrukturplanung mit Stadtentwicklungsprozessen sowie von gesamtstädtischen Visionen und Strategien für die zukünftige Wasserinfrastruktur. In der Diskussion wurde hervorgehoben, dass Veränderungsprozesse sowohl bottom-up als auch top down initiiert werden sollten. Ein Masterplan „Wasser“ wurde als genauso wichtig wie kleinräumige Pilotvorhaben bewertet. Wichtig sei es, die Betreiber mit ins Boot zu bekommen, da nur in einem Miteinander der Weg in die zukunftsfähige Stadt, die das Thema Waser selbstverständlich mitbeinhalte, gegangen werden könne. Internationale Bauausstellungen wurden in diesem Zusammenhang als wichtige „Zwischenräume“ zwischen Forschungsförderung und Marktanwendung bewertet. Hier werde es möglich, experimentell Neues zu erproben und weiterzuentwickeln.

Diskussion zur zukünftigen Kooperation von Siedlungswasserwirtschaft und Stadtplanung:   Erkenntnisse nicht nur aus INIS

  • Perspektive Kommune: Michael Maas, Stadt Pirmasens, Tiefbauamt
  • Perspektive Wasserbehörde: Andreas Baumann, Thüringer Landesverwaltungsamt, Referat Abwasser
  • Perspektive Wissenschaft: Dr. Darla Nickel, Deutsches Institut für Urbanistik

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In der abschließenden Diskussion hob Herr Baumann (Thüringer Landesverwaltungsamt) die Qualität der vorgestellten Projekte hervor, betonte aber gleichzeitig, dass es im Alltag konventioneller ablaufe, das entsprechende Fachpersonal fehle und die Praxis deshalb auch anders aussehe. Es wäre schön, wenn durch die IBA neue Verfahren und Vermittlungswege zum Einsatz kämen und der Abstand zwischen Realität und Visionen verringert werden könnte. Herr Maas (Stadt Pirmasens) betonte mit Blick auf die besonderen demografischen Herausforderungen der Stadt Pirmasens die Schwierigkeiten einer Umgestaltung der Wasserinfrastrukturen. Dabei stellten vor allem die vorhandenen oder fehlenden finanziellen Ressourcen einen besonderen Treiber dar. Frau Dr. Nickel (Deutsches Institut für Urbanistik) wies auf die Notwendigkeit von Visionen hin, um das Thema Wasser aus der „Nische“ der Wasserwirtschaft  in Stadtentwicklungsplanung einbeziehen zu können. Dabei könnte Regenwasser und Abwasser erfolgreiche und zugleich ungewöhnliche Türöffner sein. Hemmnisse der Umsetzung von Forschungsergebnissen wurden vor allem in dem fehlenden Mut und Denken in Legislaturperioden der Politik und  in der steigenden Komplexität der neuen Systeme identifiziert. Umso wichtiger wurden Möglichkeitsräume und „Ausnahmezustände“ wie die IBS erachtet, die es ermöglichen jenseits eingespielter Routinen innovative Ansätze auszuprobieren und mittels gebauter Beispiele physisch zu kommunizieren.