INIS Abschlusskonferenz: Zukunftsfähige Wasserinfrastrukturen

Technische Innovationen – integrierte Planungsansätze – zielgruppenorientierte Kommunikation – institutionelle Anforderungen

20./21. April 2016 in Berlin

  Veranstalter:

Vernetzungs- und Transfervorhaben INISnet, mit den Partnern
Deutsches Institut für Urbanistik gGmbH (Difu)
Forschungsstelle des Deutschen Vereins des Gas- und Wasserfaches (DVGW) an der Technischen Universität Hamburg-Harburg
Deutsche Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall e. V. (DWA)

  Veranstaltungsort:

ESMT European School of Management and Technology
Schlossplatz 1
10178 Berlin, Germany

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  Weitere Informationen:

Programm und weitere Informationen (pdf, 313 kB)
Pressmitteilung Zentrale INIS Botschaften (pdf, 101 kB)

Mit der Fördermaßnahme INIS unterstützt das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) seit 2013 die Entwicklung von innovativen und anwendungsreifen Lösungen zur Anpassung der Trinkwasserversorgung und Abwasserentsorgung an aktuelle und zukünftige Herausforderungen.

Eindrücke

Zum Ende der Fördermaßnahme INIS fand am 20. und 21. April 2016 mit rund 250 Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus Praxis, Politik, Verwaltung und Wissenschaft die gut besuchte Abschlusskonferenz „Zukunftsfähige Wasserinfrastrukturen“ in Berlin statt. An diesen beiden Tagen präsentierten die Verbundprojekte in kurzen Vorträgen ihre Kernergebnisse. Auf einem Marktplatz konnten die Teilnehmenden der Veranstaltung mit den anwesenden Projektvertreterinnen und -vertretern persönlich ins Gespräch kommen und anhand von Filmen, Ausstellungsobjekten, Broschüren und Postern vertiefte Einblicke in die Projektergebnisse erhalten. Begleitende Fachexkursionen führten nach Berlin Kreuzberg, wo die Grau- und Schwarzwasseraufbereitungsanlagen und das angrenzende Gewächshaus vom INIS-Projekt ROOF WATER-FARM besichtigt wurden. Das forschungsbegleitende Vernetzungs- und Transfervorhaben INISnet mit den Partnern Difu, DVGW und DWA moderierte die Veranstaltung.

Drumherum

Begrüßung, 20. April 2016

Dr. Helmut Löwe vom BMBF eröffnete die Veranstaltung. Er stellte in seiner Begrüßung die verschiedenen Fördermaßnahmen des BMBF zum Thema Wasser vor und hob den Stellenwert von INIS innerhalb des Forschungsfeldes hervor. Prof. Bernd Wille, Vorsitzende des INIS Lenkungskreises, verdeutlichte anschließend die großen anstehenden Herausforderungen der Wasserversorgung und Abwasserentsorgung und appellierte an Politik und Praxis, die vorliegenden Lösungen aus INIS aufzugreifen und das Umsetzungsproblem beherzt anzugehen.

Dr. Helmut Löwe

Prof. Bernd Wille

Technische Systeme: Anlagen und Betrieb optimieren

Die vorhandenen Systeme der Wasserversorgung und Abwasserentsorgung zeichnen sich durch eine hohe Pfadabhängigkeit und nur sehr begrenzte Flexibilität in Hinblick auf Herausforderungen wie dem Klimawandel oder Bevölkerungsrückgängen aus. Aufgrund der Langlebigkeit und Kapitalintensität der Systeme führt der Weg in die Zukunft notwendigerweise über eine Verbesserung des Bestands. Bei der Optimierung der bestehenden technischen Systeme und deren Betrieb liegt die Herausforderung darin, die Leistungsfähigkeit der Systeme unter verschiedenen Belastungssituationen zu sichern. Im ersten Vortragsblock stellten die Projekte EDIT, SAMUWA, KURAS und NoNitriNox ihre Forschungsarbeiten zu diesem Thema vor. Die Ergebnisse reichen von einem verbesserten Hygienemonitoring von Trinkwasser über Ansätze einer modernen Steuerung der Stadtentwässerung durch IT-Technik bis zur Vermeidung von umweltgefährdenden Emissionen auf energetisch optimierten Kläranlagen.

Dr. Daniel Karthe

Dr. Ullrich Dittmer

Sektorübergreifende Lösungen: Erschließung ungenutzter Potentiale

Getrieben durch die Energiewende einerseits und die zunehmende Verknappung von Ressourcen wie z.B. Phosphor andererseits wird Abwasser zunehmend als Ressource und nicht mehr als Abfallprodukt wahrgenommen. Entsprechende Technologien und Konzepte zur energetischen und stofflichen Wiederverwendung bzw. Nutzung von Abwasser wurden in INIS erarbeitet und z.T. bis zur Anwendungsreife entwickelt. Mehr noch: INIS kann zeigen, wie alternative dezentrale Wasseraufbereitungstechnologien zu innovativen Formen des Lebensmittelanbaus beitragen können. Hier eröffnen sich neue Verknüpfungen zwischen Abwasserentsorgung, Stadtgestaltung und gemeinschaftlich orientiertem Urban Gardening. Im zweiten Veranstaltungsblock zeigten die Projekte TWIST++, nidA200 und ROOF WATER-FARM auf verschiedenste Weise, wie sektorübergreifende Lösungen zur Erschließung bislang ungenutzter Potentiale führen können.

Prof. Angela Million

Gespräche

Modellvorhaben: von der Wissenschaft in die Praxis

Mit der Umsetzung von neuartigen Infrastrukturkonzepten, beispielweise zur Nutzung der im Abwasser enthaltenen energetischen Ressourcen, wird Neuland beschritten. Es müssen erhebliche technische, ökonomische und organisatorischen Barrieren überwunden sowie die bauliche Realisierung mit der geförderten Projektlaufzeit synchronisiert werden. Gleichzeitig sind Modellvorhaben ein notwendiger Schritt, um Umsetzungshemmnisse zu erkennen und abzubauen und neue Lösungen in die Breite zu tragen. Zum Abschluss des ersten Tages stellten die Projekte KREIS und netWORKS 3 Erkenntnisse aus der großtechnischen Umsetzung neuer Systemlösungen auf Gebäude- und Quartiersebene in Frankfurt a.M. und in Hamburg vor.

Thomas Giese

Dr. Martina Winker

Begrüßung 21. April 2016

Eröffnet wurde der zweite Tag durch eine Keynote des Landschaftsarchitekten, Planers und Wasserkünstlers Herbert Dreiseitl (Director Ramboll Liveable Cities Lab). In der Kombination von Ingenieurskunst und Design entwirft er in seinen Projekten einzigartige öffentliche Räume, in denen Wassermanagement technisch und ästhetisch integriert wird und als Teil der Umwelt erfahrbar wird. Er gab einen Einblick in verschiedene seiner weltweit realisierten Arbeiten und veranschaulichte eindrucksvoll die Möglichkeiten sowie die Bedeutung des gestalterischen und emotionalen Umgangs mit Regenwasser für nachhaltige und lebenswerte Städte.

Wasser in der Stadt: Integration von Stadt- und Infrastrukturentwicklung

Die Ergebnisse aus INIS zeigen, dass der Umbau der Wasserinfrastrukturen erhebliche Auswirkungen auf das Miteinander von Stadt- und Infrastrukturplanung hat. Die Hauptaufgaben der Siedlungsentwässerung, nämlich der Schutz von Menschen und deren Eigentum einerseits und der Gewässerschutz andererseits, lassen sich allein durch konventionelle unterirdische Systeme nur begrenzt erfüllen. Optimale Lösungen, die z.B. auch einen positiven Beitrag zur Stadtklima- oder Freiraumqualität leisten können, lassen sich nur durch eine insgesamt verbesserte räumliche Organisation der Stadt erzielen. Dazu müssen verstärkt multifunktional nutzbare Flächen für den Rückhalt, die Versickerung und die Verdunstung von Niederschlagswasser in den Stadtraum integriert werden und planerische Instrumente zum Einsatz kommen, die beide Perspektiven miteinander verbinden. Thematisch anknüpfend an die Keynote von Herrn Dreiseitl berichteten die Projekte SAMUWA, KURAS, ROOF WATER-FARM und SinOptiKom über ihre Ergebnisse zur integrierten Entwicklung von Wasserinfrastrukturen, Freiraum und Stadt und wie hierdurch lebenswertere Städte entstehen können.

Prof. Antje Stokman

Entscheiden und Kommunizieren: zum Umgang mit Unsicherheit und Komplexität

Die Auswirkungen des Klimawandels oder die künftigen demografischen Entwicklungen sind mit großen Unsicherheiten behaftet. Gleichzeitig verursacht die angestrebte Multifunktionalität neuartiger Infrastrukturen eine zunehmende Komplexität. Dies macht - unterm Strich -  das Entscheiden und Handeln schwieriger. Dennoch müssen die Planung und Umsetzung zukunftsfähiger Wasserinfrastrukturen der wachsenden Komplexität und Unsicherheit Rechnung tragen. Nahezu alle INIS Projekte haben sich mit der Entwicklung von Grundlagen, Werkzeugen und Instrumenten der Entscheidungsunterstützung und –kommunikation befasst. In diesem Veranstaltungsblock präsentierten die Projekte NAWAK, SYNOPSE und SinOptiKom unterschiedliche Ansätze, wie Planungsunsicherheiten begegnet und die Komplexität von Systemen und Anwendungen kommuniziert werden kann.

Transformation: Akteure, Strategien und Institutionen

Die Realisierung intelligenter und multifunktioneller Infrastruktursysteme setzt die Auseinandersetzung mit dem institutionellen Rahmen der Wasserver- und Abwasserentsorgung voraus. Hier geht es um Gesetze und technische Standards, aber auch die Akteure, die die Anlagen planen und betreiben. Mehrere INIS-Projekte haben sich explizit mit institutionellen Fragen befasst. Zum Abschluss des zweiten Veranstaltungstages wurden die Ergebnisse der Projekte NaCosi, TWIST++, netWORKS 3 sowie KREIS vorgestellt.

Prof. Wilhelm Urban

Zwischendurch